GESCHICHTE

Melton und B&S

inst war die Stadt Graslitz im Sudetenland die Hauptstadt für den Musikinstrumentenbau in aller Welt. Von dort begann sich dieser Wirtschaftszweig zu entwickeln. Dabei begründeten auch Auswanderer im benachbarten Vogtland (Markneukirchen) diesen Gewerbezweig.

Bereits 1669 arbeiteten 12 Geigenbaumeister in Graslitz. Als der 2. Weltkrieg ausbrach, gab es dort 300 Firmen mit 3000 gelernten Musikinstrumentenmachern.

Eine dieser Firmen wurde 1810 von Johann Langhammer, einem Metallblasinstrumenten- und Mundharmonikamacher gegründet - in diese Familie heirateten die Meinls ein.

Während der beiden Weltkriege hatte Wenzel Meinl, der Vater des derzeitigen Familienoberhaupts Anton Meinl, eine Großhandelsfirma in Klingenthal im Vogtland, gegründet.

Anton Meinl wurde 1922 in Graslitz geboren. Nach seinem Abschluss an der Technischen Staatsschule ging er 3 Jahre in die Instrumentenbaulehre, bis schließlich 1941 seine Ausbildung durch den Militärdienst unterbrochen wurde.

Nach Krieg und Vertreibung hatte er keine Gelegenheit mehr, nach Graslitz zurückzukehren, und wusste nicht, wo seine Eltern waren. So ließ er sich in Österreich nieder, nachdem er 1945 aus der Kriegsgefangenschaft geflohen war. Er arbeitete dort 2 Jahre als Instrumentenmacher und Reparateur, bis er schließlich seinen Vater in Bayern wiederfand. Mit ihm nahm die Metallblasinstrumenten-Herstellung in der Stadt Geretsried ihren Neuanfang.

Anton Meinl

Anton Meinl arbeitete seit 1947 wieder im Betrieb seines Vaters, besuchte Abendkurse und legte schließlich 1952 die Meisterprüfung ab. Als hochqualifizierter Handwerker von Weltruf und ausgezeichneter Ausbildungsleiter zugleich hat er viel zur Entwicklung und Verbesserung vor allem von Tuben beigetragen.

Seine Schnittmuster erlangten Berühmtheit, weil sich die darauf basierenden Instrumente durch ein besonders reiches Klangspektrum auszeichneten, dabei aber zugleich immer den typischen Kern im Ton behielten. Züge und Zugbögen wurden an den Melton-Tuben neu ausgelegt.

Dies schloss nicht nur Wasserstaus aus und ermöglichte das einfache Ziehen der Züge während des Spielens, sondern trug auch zur hervorragenden Ansprache der Instrumente bei.

Neben dem Einsatz von Kugelgelenken an Zylinderventilen führte Anton Meinl als Erster ein spezielles hydraulisches Verfahren zur Herstellung von Anstößen aus nahtlosem Rohr ein. Dies sicherte den konstanten Verlauf der Bögen und bildete somit die Grundlage für die unübertroffene Intonation der Melton und Meinl-Weston Tuben.

William Bell

William Bell, der einstige Vater der amerikanischen Tubisten, machte bereits in den 60er Jahren häufige Reisen nach Geretsried und stand so mit seinen Beratungen Anton Meinl Pate bei der Entwicklung der Meinl-Weston Tuben. Eine enge Beziehung mit ihm und mit vielen anderen professionellen Musikern um die Welt folgte.

Anton Meinls Sohn Gerhard

Anton Meinls Sohn Gerhard studierte Jura und legte beide juristische Staatsprüfungen in München ab, bevor er 1984 in das elterliche Unternehmen eintrat, um zugleich eine Lehre als Metallblasinstrumentenmacher zu machen.

Gerhard Meinl, der nun schon in der 7. Generation einer Familie in der Musikwirtschaft arbeitet, führte anschließend als ausgebildeter Trompeter das sehr erfolgreiche Prinzip der "offenen Werkstatt" ein und wurde insbesondere berühmt für seine Zusammenarbeit mit Künstlern.
 

Sie kamen nach Geretsried, um Wünsche zu realisieren und noch offene Fragen im Bereich der Entwicklung gemeinsam anzugehen. Rastlos in seinen Aktivitäten, engagiert sowie ungemein interessiert an Innovationen im Musikinstrumentenbau, wurde Gerhard Meinl 1986 Vorstandsmitglied im BDMH (Bundesverband der Deutschen Musikinstrumenten-Hersteller), war von 1986–1993 im Vorstand der ITG (International Trumpet Guild) und ist dies bis heute in der T.U.B.A. (Tubists Universal Brotherhood Association) in den USA. Darüber hinaus war Gerhard Meinl auch einer der Gründungsväter des Deutschen Tuba Forums.

TA Musik-Gruppe

1991 gründete Gerhard Meinl zusammen mit anderen Investoren die TA Musik-Gruppe als Mitglied der Mittelstands-Holding TA Triumph Adler AG, um die Vogtländische Musikinstrumentenfabrik GmbH (den ehemaligen VEB B&S in der früheren DDR) von der Treuhand zu übernehmen. Gerhard Meinl ist der Branchengeschäftsführer dieser Gruppe und war zugleich Leiter der Tochtergesellschaften, welche neben der Wenzel Meinl GmbH auch die Blechblasinstrumentenhersteller Antoine Courtois in Paris/Amboise, (einem Metallblasinstrumentenmacher mit Gründungsdatum 1803), den Oboen-Hersteller SML Strasser-Marigaux aus Frankreich und die Klarinettenmanufaktur F. Arthur Uebel in Deutschland umfassten.

Fokussierungsstrategie

Im Zuge einer Fokussierungsstrategie hat die Triumph-Adler AG die TA Musik GmbH an eine Gruppe um den langjährigen Branchenmanager Gerhard A. Meinl veräußert. Dabei erwarben die Partner 100 Prozent der Anteile der TA Musik GmbH, welche als JA Musik GmbH mit den gleichen Aufgaben einer Management Holding für die Beteiligungsgesellschaften aus dem Bereich Blech- und Holzblasinstrumente weitergeführt wird.

Aufnahme von 1952

Aufnahme von 1952 - heute arbeiten in der Musikinstrumenten-Manufaktur Wenzel Meinl in Geretsried 20 Metallblasinstrumentenmacher - Gesellen und Meister und stellen die Musikinstrumente mit den Markennamen Melton (für Europa) und Meinl-Weston her.