Eine kleine Information zu Funktion, Mundstückwahl und Pflege von Jagdmusikinstrumenten (von Anton Meinl)
Hörnerschall und Hundelaut sind untrennbar mit der Jagd verbunden. Die Hornfessel war Zeichen der alten hirschgerechten Jägerei. Der "Federschütze" durfte sie nicht tragen. Das Jagdhorn ist ein unentbehrliches Hilfsmittel auf der Jagd. Es hat sich aus den Bedürfnissen der Jäger von der Urzeit an entwickelt. Rufhörner und Trillerpfeilen könnten zwar auch als sachliche Hilfsmittel dienen, sie würden aber das Stimmungsvolle des Jagdablaufs in Wald und Feld grausam zerstören und keinen Anspruch auf Pflege jagdlicher Kultur erheben. Hierzu zählt nicht nur die eigentliche Jagd mit Ruf-, Leit- und Totsignalen, sondern das gesamte feierliche Zeremoniell vom "Hohen Wecken" übers "Angelus" zur "Begrüßung", dem Ablauf eines ganzen Jagdtages bis zum "Jagd vorbei" und "Halali".
Das gebräuchlichste Jagdmusikinstrument ist das Fürst-Pleßhorn (vom Laien im Allgemeinen als Gebrauchsjagdhorn schlechthin angesehen). Es wird normalerweise für die Jagdsignale, die in der Obertonreihe angesiedelt sind, verwendet. Eine kompositorische Weiterentwicklung der Jagdmusiktradition stellt hierbei die "Jägermesse" dar, die auch den ventillosen Fürst-Pleßhörnern zugänglich ist. Dabei gilt zu bedenken, dass Jäger (unter ihnen gibt es zwischen 30.000 bis 40.000 aktive Bläser) zumeist musikalische Laien sind. Somit ist diese und ähnliche Jagdmusik eines der wenigen Reservate volkstümlichen Musizierens geworden und verdient deshalb besondere Wertschätzung. Das Fürst-Pleßhorn in B (1,31m lang) und das in C (1,15m lang) gehören zur klassischen Jagdausrüstung. Der Jäger sollte aber auf den typischen Hornklang seiner Signale Wert legen und sich nur ein Fürst-Pleßhorn mit weiter Mensur anschaffen, denn nur so ist ein voller, weicher Ton gewährleistet. Dieser ist übrigens entgegen eines weitverbreiteten Irrglaubens unabhängig vom Schallbecherdurchmesser. Bei zu engem konischen Schnittverlauf klingt das Instrument nicht wie ein Horn, sondern wie eine Trompete, die schon im 17. Jahrhundert ihren Abschied aus der französischen Jagdmusik nahm.
Will man das Fürst-Pleßhorn in einer Gruppe spielen, ist ein Stimmzug unerlässlich. Mit diesem werden die individuellen Unterschiedlichkeiten stimmungsmäßig ausgeglichen – man denke nur daran, dass einige Bläser in der Gruppe ein Trompetenmundstück verwenden. Wählt man eine dünne Materialausführung, so fällt einem das Blasen zwar leichter, aber der Ton ist nicht so konstant.
Neben dem allgemein bekannten Fürst-Pleßhorn gibt es noch B-Taschenhörner (1,33m lang) und das Es-Parforcehorn in der kleinen Ausführung (2,04m), also in der hohen Stimmung, und in der großen Ausführung eine Oktave tiefer (4,15m). Im 17. Jahrhundert hielten die Parforce- und Waldhörner Einzug in die damals höfische Jagdmusik, was sich bis in die Opern- und Orchestermusik fortsetzte. Man denke nur an den Marquis de Dampierre, den Jagdmeister des Herzogs von Maine und seine Sinfonieauftritte, an Rossinis "Le Rendezvous de Chasse", an Weber oder Lortzing. Heute finden sie vielfältigen Einsatz bei Jagden oder der Hubertusmesse, die aus alten Jagdsignalen entstand, das manchmal choralartig bittende oder frisch dahinstürmende Gebet der Jäger.
Parforcehörner gibt es vor allem in B, F, Es und D (für die große Jagdmusik) und darüber hinaus ein sogenanntes B/Es-Umschalthorn, das H. Neuhaus und ich vor vielen Jahren entwickelten. Ein Zylinderstellventil (beziehungsweise ein Federventil) ermöglicht die Verlängerung von B auf Es.
Dadurch erübrigt sich die Anschaffung von zwei Hörnern, und mancher Komponist hat diese damals revolutionierende Idee aufgegriffen und den Stimmenwechsel in seine Werke eingebaut. Eine andere, bei B-Fürst-Pleßhörnern gebräuchliche Art der Veränderung der Stimmung stellt auch die Verwendung von Es-Aufsteckbögen dar. Zum Bau dieser Hörner werden Messingblech und Röhren aus einer Legierung von 72% Kupfer und 28% Zink in Materialstärken von 0,3mm bis 0,6mm verwendet.
Eine Unterscheidung gibt es durch Verwendung eines dünnen Schallbechers, der Klang und Ansprache verbessert, allerdings empfindlicher ist, was bei Kirchenmusik keine Rolle spielt, aber umso mehr bei der Jagd.
Die Frage nach der Lederbewicklung ist letztlich ebenso eine nach dem Einsatz des Instrumentes, denn die voll ausgearbeiteten Windungen ohne Bewicklung sind dem Klang selbstredend zuträglich. Will man aber generell einen "weicheren" Ton erzielen, kann man ein Goldmessingblech verwenden, das eine Legierung von 85% Kupfer und 15% Zink hat. Auf die Ansprache wirkt sich dies allerdings eher negativ aus.
Bekannt ist auch der Sauerländer Halbmond, ein ursprünglich militärisches Signalhorn aus der Zeit um 1800 (1,30m lang). Ein optisch sehr ansprechendes Instrument, das normalerweise aus reinem Kupfer gefertigt wird. Allerdings gibt es dieses Instrument, das in Stimmung und Tonumfang dem Fürst-Pleßhorn gleicht, mancherorts auch aus Messingblech.
In Frankreich und Belgien werden hauptsächlich Parforcehörner in D benutzt, die sowohl in einer dünnen als auch in einer etwas stärkeren Ausführung gebaut werden. Erstere ist sehr leicht und aus sehr dünnem Material. Bei diesem Horn werden echte Waldhornmundstücke mit einem sehr scharfen Rand verwendet. Grund dafür ist, dass beim Blasen zu Pferd ein Verrutschen des Mundstücks verhindert werden soll. Typisch für diese Hörner, die nur von sehr guten Bläsern gespielt werden können, ist ein eigenartig "krachender" Ton, hervorgerufen durch das dünne Material.
Besonderer Erwähnung bedarf der Einsatz von Ventilen. Sowohl Fürst-Pleßhörner als auch Parforcehörner können mit Zylinder-(Dreh-) oder Perinet-(Pump-)Ventilen gebaut werden. Allerdings sind solche Blechblasinstrumente, die ein chromatisches Blasen ermöglichen, nicht der Gruppe der Jagdmusikinstrumente zuzuordnen. Eine Besonderheit in dieser Reihe ist das sogenannte "Meinl-Neuhaus-Reiterhorn" – letztlich ein B-Fürst-Pleßhorn mit drei Perinet-Ventilen, das zu Pferd mit einer Hand gehalten und bedient werden kann.
Die Funktion der Ventile sei durch folgende Faustformel dargestellt: Das 1. Ventil vertieft den Naturton um einen Ganzton (oder 1/8 der Gesamtlänge) das 2. Ventil um einen Halbton (1/15 der Gesamtlänge), und das 3.Ventil um eineinhalb Töne (oder 1/5 der Gesamtlänge).
Anton Meinl


